Peiner Nachrichten

von l.iwersen • 7 August 2008

Kluge Kugeln machen Hochwasser vorhersagbar

Ein Bortfelder hat mit seiner Firma ein mobiles Warn- und Messsystem entwickelt

Von Florian Arnold

BORTFELD. Forscher sagen voraus, dass die Gefahr von Flutkatastrophen wie dem Elbe-Hochwasser von 2002 und 2006 durch den Klimawandel noch steigen wird. Doch selbst in der Hochtechnologie-Nation Deutschland gibt es noch kein verlässliches Vorhersage-System. Die Firma „etamax space GmbH” des Bortfelders Holger Sdunnus will das ändern.

In Kooperation mit dem Dänischen Hydraulischen Institut (DHI) haben Sdunnus und seine Mitarbeiter ein System ausgetüftelt, mit dem sich die Entwicklung von Flutwellen wesentlich besser analysieren und vorhersagen lässt als bisher.

Das Projekt „G-WaLe” will sich das europäische Satellitensystem Galileo zunutze machen, das Ende 2011 in Betrieb genommen werden und exaktere Daten als der US-amerikanische Vorreiter GPS liefern soll. „Höhenunterschiede wie schwankende Wasserstände kann Galileo anders als GPS bis auf wenige Zentimeter genau bestimmen”, erläutert Sdunnus.

„G-WaLe” basiert auf einer Flotte aus schwimmenden Kugeln, die mit einem Galileo-Empfänger und einer Sendeeinheit ausgerüstet sind. Die so genannten Floater schwimmen auf der Wasseroberfläche, halten aber ihre Stellung. Dafür sorgt eine integrierte Harpune, die die Floater in Fluss- oder Meeresgrund verankert, nach Einsatzende aber wieder gelöst werden kann. „Das war der technisch anspruchsvollste Knackpunkt des Projekts”, so Sdunnus.

Die Floater senden ihre vertikalen Positionsdaten an eine Empfangsstation am Flussufer. Aus der zeitlichen Veränderung aller Floater-Positionen innerhalb eines „G-WaLe”-Netzes lässt sich die Dynamik des Wasserspiegels messen. Flutwellen werden vorhersagbar, genauere Modellrechnungen möglich. Der Clou des Systems ist seine Mobilität. Selbst in wenig entwickelten Ländern könne es vergleichsweise einfach und kostengünstig eingesetzt werden, erläutert Sdunnus.

Doch auch in Deutschland könne das neue System Hochwasservorhersagen deutlich verbessern. Entlang der Elbe etwa gebe es derzeit nur wenige ortsgebundene Pegel-Messstationen im Abstand von bis zu 150 Kilometern, so Sdunnus. “Die Datendichte ist ausbaufähig, und bei Hochwasser werden die Stationen selbst überflutet”, erklärt der 43-Jährige. In Tschechien zumahl, wo Elbfluten sich stets anbahnen, gebe es noch garkeine Messstationen. Auch bei der Planung von Windkraftparks auf offener See könne „G-WaLe” gute Dienste leisten.

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